(B)recht so, Eisler! – Ein Konzert für zwei Hundertjährige

provocale und Sabine Wackernagel

Zwei Große feiern Geburtstag: Der Dichter und sein Komponist – der Komponist und sein Texter werden 100. Für provocale und Sabine Wackernagel mitnichten ein Anlaß für pathetisch-verklärende Huldigungen. Zwei aufmüpfige politisch inspirierte Jubilare werden auf die Bühne gebracht, wie sie es verdienen: frech und mit der gehörigen Portion Ironie, die der Chor und die Kasseler Schauspielerin in ihren Inszenierungen oft genug unter Beweis gestellt haben.

Bert Brecht hat seinen Platz im Deutschunterricht längst gefunden, und von den Spielplänen der Theater ist er nicht mehr zu verdrängen. Welche Widersprüche provoziert er heute? – Sabine Wackernagel in der Rolle der Theaterkommunistin.

Hanns Eisler, Schüler von Arnold Schönberg und unter anderem Schöpfer großartiger Musiken zu diversen Hollywoodfilmen, ist im Ausland immer noch weitaus bekannter als hier. provocale singt die eindringlichsten seiner über 600 Liedkompositionen.

Die Uraufführung war am 31. Oktober 1998 in der Kulturfabrik Salzmann, Kassel.

Alles geklaut

Alles geklaut – die Taschen leer!? Egal, ein bißchen Spaß muß sein, und provocale bringt ihn auf die Bühne. Alles geklaut – Stütze und Wohngeld gestrichen!? provocale fragt nach, wohin sie gegangen sind. Und provocale bedient sich hemmungslos ganz unterschiedlichster musikalischer Stilrichtungen: Vom swingenden Jazz zum deutschen Schlager, vom provocale Markenzeichen, dem alten und neuen politischen Lied, zur italienischen Oper. Da lugen die Comedian Harmonists ebenso um die Ecke wie Brecht und Eisler sowie einige Prinzen aus dem Traumland.

Also alles geklaut? Mitnichten. Wer provocale kennt, weiß, dass dieser Chor mit seinen 40 Sängerinnen und Sängern längst seinen eigenen Stil entwickelt hat mit bunter Bühnenpräsenz, fein abgestimmter Choreografie und “oft einen Fuß in der Tür zum Kabarett”, wie die HNA treffend feststellte. Dazu kommt der Kasseler Chor mit dem ukrainischen Duo “Retro” (Ludmilla Stanislawskaja, Klavier und Semon Roubinson, Violine) mit einer herrlich swingenden neuen Instrumentalbegleitung.

Die Uraufführung war am 30. April 1997 im Kulturzentrum “Brotfabrik”, Göttingen.